Geschichten von Bord

Die Interviewreihe

Moin Maren!

Maren Birke ist vor über zwei Jahren an Bord gekommen und hat die psychologische Beratung für pflegende Angehörige im Demenzdock übernommen. Was psychologische Beratung bedeutet, was sie pflegenden Angehörigen mit auf den Weg gibt und was das Demenzdock eigentlich ausmacht, das erzählt sie uns in einem kleinen Interview.

 

Herzlich willkommen zur kleinen Interview-Reihe und vielen Dank, dass du dich unseren Fragen stellst. Erzähl doch mal, was deinen Job ausmacht?
Meinen Job macht sicherlich aus, dass ich sehr tiefe Einblicke in sehr viele unterschiedliche Lebenswelten bekomme. Wenn ich meinen Job gut mache, ist der Rahmen so vertraut, dass die Menschen all ihre Ängste und Sorgen, die vielleicht sonst nicht so viel Raum finden, auf den Tisch packen können. Was für mich besonders und auch spannend ist, dass ich Menschen jeden Alters beraten und begleiten darf. Jede Geschichte ist dabei einzigartig.

 

Es sind Menschen in belasteten Situationen und Lebensumständen, die du begleitest. Was ist dir wichtig, was du ihnen mit auf den Weg gibst?
Wichtig ist mir erst einmal, dass die Klient*innen wissen, dass (fast) alles sein darf. Sie sollen bei mir den Raum bekommen, alle Gefühle, die mit der Rolle als pflegender Angehöriger einhergehen können, sind in Ordnung – auch die, über die wir im Alltag vielleicht nicht so gerne sprechen, beispielsweise Trauer oder Wut.
Darüber hinaus ist mir wichtig, dass die Menschen, die ich berate, erkennen, dass sie nur so lange für ihre An- oder Zugehörigen da sein können, wie sie es schaffen, auch für sich einen Weg zu finden, die Batterien hin und wieder aufzuladen. Wenn ich als Angehörige*r ausgebrannt bin, kann ich auch keine gute Unterstützung mehr bieten.

 

Danke für die beiden Punkte, Maren. Wir können uns gut vorstellen, dass das zwei Sachen sind, die man sich in der Pflegesituation nicht zugesteht oder die bei den ganzen Herausforderungen schnell nach hinten rücken. Wie kann man deine Beratung denn in Anspruch nehmen? Was für Voraussetzungen muss ich als Angehörige eines demenziell erkrankten Menschen erfüllen, damit ich mich psychologisch beraten lassen kann?
Das Angebot ist sehr niedrigschwellig. Die Menschen müssen also lediglich per Telefon oder E-Mail einen Termin mit mir vereinbaren. Menschen, die keine Beratung vor Ort in Anspruch nehmen können, kann ich auch telefonisch oder per Videocall beraten. Inhaltlich gibt es auch wenig Einschränkungen, es reicht, wenn die Person sich durch die aktuelle Lebenssituation, in der er*sie als pflegende*r Angehörige*r ist, in irgendeiner Form belastet fühlt.

 

Gibt es noch Tipps, die du über die Beratung hinaus mit auf den Weg geben kannst?
So viel Hilfe in Anspruch nehmen wie geht und hilfreich ist und gern früh damit anfangen, sich Unterstützung zu holen – niemand schafft den Weg alleine. Wir bieten hier im Demenzdock beispielsweise den häuslichen Besuchsdienst an, für tierbegeisterte den Hundebesuchsdienst 4 Pfoten für Sie oder eine musikalische Begleitung durch die Musikpat*innen. Auf der Seite der Angehörigenhilfe Demenz für Hamburg laufen viele Informationen und Angebote zusammen und das Alzheimer-Telefon (Telefonische Beratung / Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V.) kann eine gute Anlaufstelle sein.

 

Danke für die Anregungen! Sagst du uns noch abschließend, was beeindruckt dich an deinem Job am meisten? Was findest du an deinem Job am Schönsten?
Mich beeindruckt das Vertrauen, das die Klient*innen in mich als Beratende haben und die Bereitschaft, sich innerhalb der Rolle als pflegende*r Angehörige*r weiterzuentwickeln – das kann ein ganz schönes Brett sein, lohnt sich aber oft. Wenn die Angehörigen da Erfolge für sich feiern, dann ist das ein großes Geschenk,
finde ich.

 

Danke, Maren für die Einblicke und deine Offenheit. Wer noch eine Frage hat oder die Beratung in Anspruch nehmen möchte, ihr könnt Maren im Demenzdock unter 040 22 72 98 – 650 oder birke@hamburgische-bruecke.de erreichen.